
{"id":1699,"date":"2019-02-10T19:31:09","date_gmt":"2019-02-10T18:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paneuropa.at\/?p=1699"},"modified":"2019-02-10T19:31:09","modified_gmt":"2019-02-10T18:31:09","slug":"russlands-angst-vor-einem-vereinten-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/en\/russlands-angst-vor-einem-vereinten-europa\/","title":{"rendered":"Russlands Angst vor einem vereinten Europa"},"content":{"rendered":"<p><em>Am 31. M\u00e4rz finden in der Ukraine die Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt. Einer der Kandidaten ist General Ihor Smeschko, ehemaliger ukrainischer Geheimdienstchef. In einem Exklusivinterview sprach er mit \u201ePaneuropa\u201c.\u00a0Das Interview f\u00fchrte Charles Steiner<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung innerhalb der EU wird dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine, der von Russland v\u00f6lkerrechtswidrig angezettelt wurde, mittlerweile wenig Bedeutung geschenkt, obwohl dort jeden Tag Menschen sterben. Im Gegenteil, mittlerweile denken manche Politiker ein Ende der Sanktionen gegen den Aggressor an, in der Hoffnung, wirtschaftlich profitieren zu k\u00f6nnen. Und auch in der Ukraine selbst ist die Situation schwierig. Am 31. M\u00e4rz finden die Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt, dennoch greifen die politischen Reformen seit dem schicksalstr\u00e4chtigen Euromajdan 2013\/2014 sehr zaghaft. Neben Petro Poroschenko und Julia Timoschenko und zig anderen Kandidaten tritt jetzt auch General Ihor Smeschko um die Gunst der W\u00e4hler an. Smeschko ist jemand, der die politische Situation in der Ukraine sehr genau kennt \u2013 w\u00e4hrend der orangenen Revolution war er Chef des ukrainischen Geheimdienstes, wo er eine milit\u00e4rische Eskalation verhinderte, unter Pr\u00e4sident Poroschenko war er dessen Sicherheitsberater. \u201ePaneuropa\u201c hat in Wien exklusiv mit Smeschko \u00fcber die Lage in der Ukraine, warum die Ukraine kein kleiner Bruder Russlands sein kann, sein Verh\u00e4ltnis zu Europa, \u00d6sterreich und Paneuropa \u00d6sterreich Pr\u00e4sidenten Karl von Habsburg gesprochen. Smeschko hat einiges \u00fcber seine Visionen verraten, die er, falls er Pr\u00e4sident werden w\u00fcrde, verwirklichen will.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: General Smeschko, Sie treten aktuell als Pr\u00e4sidentschaftskandidat f\u00fcr die Ukraine an. Wie sch\u00e4tzen Sie Ihre Chancen ein und was w\u00fcrde ein Pr\u00e4sident Smeschko anders machen?<\/strong><\/p>\n<p>Ihor Smeschko: Es war eine sehr schwierige Entscheidung f\u00fcr mich. Ich war noch nicht einen Tag im Leben Politiker und ich wurde kein einziges Mal in meinem Leben zu irgendeiner Position gew\u00e4hlt. Ich bin seit meinem 16 Lebensjahr Berufssoldat. Meine ganze Karriere in meinem Land bis 2005 war eine unpolitische Berufskarriere. Ich habe Menschen gedient, die von der ukrainischen Bev\u00f6lkerung regul\u00e4r gew\u00e4hlt wurden. Ich habe meinen Posten als Geheimdienstchef 2005 verlassen, und als ich mir die Entwicklung in meinem Landes ansah, bekam ich immer mehr Angst.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem in der Ukraine ist der Mangel an einer echten politischen Elite, die an die Werte der Demokratie glaubt und nach ihnen handelt. Ich bin seit 35 Jahren Soldat im aktiven Dienst, aber ich glaube an die Werte der Demokratie. Vielleicht weil ich nie als Tourist in die Vereinigten Staaten, in die Schweiz oder nach Deutschland gefahren bin, sondern als milit\u00e4rischer Diplomat. Ich habe viele Jahre in L\u00e4ndern mit echter Demokratie verbracht. Ich wei\u00df daher was Demokratie bedeutet. Wenn ich die Entwicklung der politischen Landschaft seit 2005 bis heute betrachte, muss ich erkennen, dass derzeit keine einzige Partei an der Macht ist, die auf die Ideologie der Demokratie beruht. Es gab eine Juschtschenko-Partei, jetzt eine Poroschenko-Partei, eine Timoschenko-Partei oder Rubinitch-,\u00a0 Boyko- und Lyaschko-Partei. Keine von ihnen hat eine Strategie oder Vision, um ein System nach demokratischen Grundwerten aufzubauen, keine Vision f\u00fcr den Aufbau der Mittelschicht, f\u00fcr die Wirtschaft und die Industrie.<\/p>\n<div id=\"attachment_1701\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1701\" class=\"wp-image-1701 size-large\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Smesho-2-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" \/><p id=\"caption-attachment-1701\" class=\"wp-caption-text\">Wissen Sie, was Russland am meisten f\u00fcrchtet? Ein geeintes Europa und dessen kulturelle wie demokratischen Werte an der russischen Grenze. F\u00fcr die Machthaber im Kreml ist das n\u00e4mlich sehr gef\u00e4hrlich, womit das Hauptziel der Politik darin besteht, die Europ\u00e4ische Einigung zu zerst\u00f6ren.<\/p><\/div>\n<p>Meine Partei will in erster Linie diese Mittelschicht verteidigen und sie aufbauen, sie ist die Basis der wahren Demokratie. Wir arbeiten nicht mit Oligarchen zusammen und werden das auch nicht tun. Das R\u00fcckgrat unserer Partei sind auch keine ehemaligen Soldaten. Der Hauptteil der Partei sind Intellektuelle, aktive Studenten und auf den Grunds\u00e4tzen der Subsidiarit\u00e4t basierende regionale Regierungen. Unsere Vision ist eine echte Gewaltenteilung. Wir haben seit 1996 eine wunderbare Verfassung in der Ukraine, aber niemand hat aus dieser Verfassung das eigentliche Gesetz entwickelt, das sich\u00a0 eben auf die gro\u00dfartigen humanistischen und demokratischen Werte der Verfassung bezieht. Ich wurde oft gefragt, warum ich mich zur Kandidatur entschieden habe. Ich habe dann geantwortet: K\u00f6nnen Sie sich eine Flugzeugkabine vorstellen, in der Sie sehen, dass das Flugzeug die Kontrolle verliert und sinkt? Und von Ihrem Platz sehen Sie eine Menschenmenge, die ins Cockpit dr\u00e4ngt, um die Kontrolle zu \u00fcbernehmen? Und Sie waren der Konstrukteur des Flugzeugs, haben Piloten ausgebildet. Und keiner von den Menschen, die ins Cockpit dr\u00e4ngen, kann fliegen. Dann sitzt im Flugzeug deine Familie. Unter diesem Gesichtspunkt gab es f\u00fcr mich keine andere M\u00f6glichkeit, als diese Entscheidung zu treffen.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Stichwort Mittelschicht: Was sind Ihre Strategien, um diese Schicht auszubauen? Haben Sie bereits einen Plan?<\/strong><\/p>\n<p>Ihor Smeschko: Zun\u00e4chst wollen wir unsere Partei mit ihrer Vision einer rechtsstaatlichen und damit echten Demokratie etablieren. Um die Mittelschicht zu st\u00e4rken, muss in erster Linie die Verarmung der Bev\u00f6lkerung gestoppt werden und die kleinen und mittleren Gesch\u00e4ftsleute gest\u00e4rkt werden. In unserem Steuersystem etwa verst\u00f6\u00dft unsere Regierung laufend gegen unsere Verfassung. Zum Beispiel: Jedes Mal ist zu h\u00f6ren, dass wir zu wenig Gas haben. Wir haben genug Gas f\u00fcr die ukrainischen Verbraucher. Der Gaspreis mit 30 Prozent Gewinn samt aller Abgaben sollte nicht mehr als 75 Dollar \/ m<sup>3<\/sup> betragen. Unsere Regierung verkauft Gas f\u00fcr mehr als 350 Euro \/ m<sup>3<\/sup> und sagt, wir m\u00fcssten nach Marktpreisen berechnen. In Europa mag dies vielleicht der Marktpreis sein, aber in der Ukraine haben wir keine Marktgeh\u00e4lter. Oligarchen k\u00f6nnen das Gas deutlich g\u00fcnstiger beziehen, die restlichen Menschen m\u00fcssen eben das Gas zu diesen sogenannten Weltmarktpreisen beziehen und wissen nicht, wie sie im Winter heizen sollen. Ein anderes Beispiel ist die Korruption: Die Ukraine erh\u00e4lt drei Milliarden Dollar vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds pro Jahr. Zur gleichen Zeit erkl\u00e4rt unser Premierminister, dass unser Zoll, was Korruption und Bestechungsgelder betrifft, v\u00f6llig unkontrollierbar sei und wir deshalb drei Milliarden Dollar pro Jahr verlieren. Es ist notwendig, politische Fachkr\u00e4fte f\u00fcr den Zoll zu gewinnen, um\u00a0 eben diese Korruption zu stoppen. Dann br\u00e4uchten wir auch kein Geld mehr vom IWF.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Sie haben einmal gesagt, dass die ukrainische Politik mehr von der europ\u00e4ischen Intelligenz lernen soll und Karl von Habsburg der perfekte Pr\u00e4sident w\u00e4re. Im vergangenen Herbst fand in Kyiv die erste Paneuropa-Konferenz statt, wo auch Karl von Habsburg teilgenommen hat. Wie wichtig sind diese Impulse f\u00fcr die Zukunft der Ukraine?<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1702\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1702\" class=\"wp-image-1702 size-large\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Smesho-5-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" \/><p id=\"caption-attachment-1702\" class=\"wp-caption-text\">In Europa ist die Situation derzeit auch nicht leicht \u2013 es gibt sehr rechte und sehr linke Positionen, die an die Macht gelangen, aber kaum noch eine politische Mitte. Diese ganz rechten oder ganz linken Slogans richten sich aber nur an Menschen, die auf komplizierte Fragen eine einfache Antwort haben wollen.<\/p><\/div>\n<p>Ihor Smeschko: Ich empfinde gro\u00dfe Hochachtung f\u00fcr Karl von Habsburg. Er ist eine sehr einzigartige Person, ich f\u00fchle mich wirklich geehrt, ihn zu kennen. Ich bewundere\u00a0 sein kulturelles Niveau, seine politische Weisheit und\u00a0 seine Noblesse. Nur Bildung durch Generationen kann dieses Niveau und diese tiefe Liebe zu Europa erzeugen, die er vertritt. In einem Interview sagte ich einmal, dass Teile unserer Ukraine Teil der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie gewesen sind. Die Erinnerung an diese Zeit ist dort immer noch sehr pr\u00e4sent. Wenn man in D\u00f6rfer in der Westukraine geht, kann man H\u00e4user sehen, auf denen Bilder von Kaiser Franz Joseph angebracht sind. Wenn Karl von Habsburg in den 1990er Jahren in der Ukraine zum Pr\u00e4sidenten nominiert worden w\u00e4re und er\u00a0 dies akzeptiert h\u00e4tte, w\u00e4re das sehr gut f\u00fcr die Ukraine gewesen. Seine W\u00fcrde und sein Wissen h\u00e4tten der Ukraine sicherlich die T\u00fcr zur Europ\u00e4ischen Union ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Man h\u00f6rt hier sehr stark heraus, dass sich die Ukraine stark zu \u00d6sterreich und seinen Wurzeln verbunden f\u00fchlt. W\u00fcrden Sie auch sagen, dass das auf \u00f6sterreichischer Seite ebenso in Richtung Ukraine zutrifft? Vor allem, weil der \u00f6sterreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz kurz nach Jahresbeginn erkl\u00e4rte, dass ein Stopp der russischen Sanktionen bei Aufh\u00f6ren der kriegerischen Handlungen in der Ostukraine denkbar w\u00e4re \u2013 ohne darauf einzugehen, dass die Krim immer noch von Russland okkupiert\u00a0 ist.<\/strong><\/p>\n<p>Ihor Smeschko: Nein, leider nicht. Wir respektieren die Entscheidung der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung und deren rechtsstaatlich zustande gekommene Regierung. Aber ich denke, Ihre Regierung k\u00f6nnte mehr f\u00fcr die Ukraine tun. Nach dem Versailler Vertrag und dem Zusammenbruch der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie haben die Menschen in\u00a0 den ehemaligen Kronl\u00e4ndern schlie\u00dflich keine schlechten Erinnerungen an diese Zeit \u2013 so wie die Ukrainer. Das \u00f6sterreichisch-ungarische Reich war, ungeachtet der Monarchie, schlie\u00dflich im Inneren sehr demokratisch aufgebaut, mit einem fairen und effizienten \u00f6ffentlichen Dienst, der sich rein der Rechtsordnung und der Judikatur untergeordnet hatte.<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt: Obwohl sehr viele\u00a0 sehr fachkundige Leute sagen, dass die Zukunft Europas von der Ukraine abh\u00e4ngt, habe ich nicht das Gef\u00fchl, dass die \u00f6sterreichische Regierung derzeit die historische Rolle \u00d6sterreichs versteht. \u00d6sterreich hat in seiner Geschichte jede Menge Kultur und Wissen nach Europa gebracht, Europa ma\u00dfgeblich mitgeformt. Aber diese Rolle hatte auch die Ukraine.\u00a0 Wir haben immer wieder unseren Geist und auch unser Blut f\u00fcr die europ\u00e4ische Idee geopfert.<\/p>\n<div id=\"attachment_1703\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1703\" class=\"wp-image-1703 size-large\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Smesho-8-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" \/><p id=\"caption-attachment-1703\" class=\"wp-caption-text\">Ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass die \u00f6sterreichische Regierung derzeit die historische Rolle \u00d6sterreichs versteht. \u00d6sterreich hat in seiner Geschichte jede Menge Kultur und Wissen nach Europa gebracht, Europa ma\u00dfgeblich mitgeformt. \u2026 diese Politik mit gelockerten Sanktionen ist \u00e4u\u00dferst kurzsichtig gedacht. Und Europa nimmt im Allgemeinen seine geopolitische Pflicht nicht wahr.<\/p><\/div>\n<p>Ist es f\u00fcr Europa sinnvoll, Demokratie im Irak\u00a0 oder Libyen aufzubauen, die Ukraine dabei aber zu vergessen? Wo ist der Marshallplan f\u00fcr uns? F\u00fcr die Ukraine ist das sehr schmerzhaft. Niemand auf der Erde hat f\u00fcr den Frieden das gesamte Atomwaffenarsenal mit 176 strategischen ballistischen Raketen ohne irgendwelche Verhandlungen einfach aufgegeben. Und das sogar mit Freuden, weil wir keine Imperialisten sind, sondern ein friedliches Volk. Wir haben immer versucht, eine\u00a0 demokratische Staatlichkeit aufzubauen. Im 17. Jahrhundert hatten wir schon keine Sklaverei mehr. Die erste Verfassung mit einer Gewaltentrennung \u2013 sie ist in Schweden ausgestellt \u2013 ist aus der Ukraine aus dem 8. Jahrhundert \u2013 einer Zeit, wo\u00a0 von den Vereinigten Staaten noch nirgendwo die Rede war, sie umfasste Gewaltentrennung und Checks und Balances. Und warum erkennt das in Europa, warum erkennt das auch die derzeitige \u00f6sterreichische Regierung nicht an?<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Es erscheint klar, dass sich die Ukraine zur Europ\u00e4ischen Union hingezogen f\u00fchlt, Europa sich aber nur langsam auf die Ukraine zubewegt. Wie w\u00fcrden Sie die derzeitige Politik in der EU bewerten und was w\u00fcrden Sie sich w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n<p>Ihor Smeschko: Seit dem Euromajdan 2014 scheint die Ukraine nur noch Freunde zu haben, die in erster Linie nur ihre eigenen Interessen vertreten. Und sie erinnern sich nicht daran, dass die Ukraine nahezu 5.000 Nuklearwaffen zerst\u00f6rt hatte, die gen Westen gerichtet waren. Zus\u00e4tzlich wurden 70 Prozent der konventionellen Waffen der ukrainischen Armee auf Druck des Westens eliminiert. Der Westen und die Vereinigten Staaten gaben bis zu 20 Milliarden US-Dollar j\u00e4hrlich f\u00fcr Sicherheitsbedenken gegen die in der Ukraine angesiedelten Atomwaffen aus. Aufgrund des Abbaus der Streitkr\u00e4fte der Ukraine haben wir jetzt die Besetzung der Krim und den anhaltenden Krieg im Donbass, alles organisiert von der Russischen F\u00f6deration, die vom Westen durch \u00d6l- und Gasdollar bewaffnet wurde, als sich die Ukraine zur Entwaffnung gem\u00e4\u00df internationaler Abkommen verpflichtete.<\/p>\n<p>Man darf aber nicht vergessen, dass es auch in Europa keine Strategien gibt, die rechtsstaatliche Demokratie auch langfristig zu erhalten. Parteien, auch Koalitionen, die vor\u00fcbergehend an die Macht kommen, sind nicht die Nation, auch nicht die Bev\u00f6lkerung. Sie m\u00f6gen eine kurzfristige Vision haben, diese hat aber mit der Vision der Nation absolut nichts zu tun.<\/p>\n<div id=\"attachment_1704\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1704\" class=\"wp-image-1704 size-large\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Smesho-6-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" \/><p id=\"caption-attachment-1704\" class=\"wp-caption-text\">Wir haben immer versucht, eine demokratische Staatlichkeit aufzubauen. Im 17. Jahrhundert hatten wir schon keine Sklaverei mehr. Die erste Verfassung mit einer Gewaltentrennung ist aus der Ukraine aus dem achten Jahrhundert. Und warum erkennt das Europa, warum erkennt das auch die derzeitige \u00f6sterreichische Regierung nicht an?<\/p><\/div>\n<p>Als Beispiel: Die beiden Majdans waren keine Revolutionen, weil sich das System nicht ge\u00e4ndert hat. Die Demonstranten haben zwar die Diktatur beendet, aber sie haben keine politischen Kr\u00e4fte hervorbringen k\u00f6nnen, die sich auch zu demokratischen Grundwerten bekennen. Es gab danach auch nur Minister mit Politiker-Lebensl\u00e4ufen, ohne jegliche praktische Erfahrung, ohne, dass sie je au\u00dferhalb der politischen Blase gearbeitet haben. F\u00fcr die Demokratie ist es aber gef\u00e4hrlich, wenn Populisten ohne Erfahrung, ohne Bildung nur mit politischen Slogans versuchen, das Gleichgewicht zu zerst\u00f6ren. In Europa ist die Situation derzeit auch nicht leicht \u2013 es gibt sehr rechte und sehr linke Positionen, die an die Macht gelangen, aber kaum noch eine politische Mitte. Diese ganz rechten oder ganz linken Slogans richten sich aber nur an Menschen, die auf komplizierte Fragen eine einfache Antwort haben wollen. Die Erosion der euroatlantischen Demokratie und der Mittelschicht sind die Folge. Wenn die Mittelschicht in einem Land erodiert, werden auch die Werte der Demokratie als Folge f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung untergraben. Aristoteles sagte, der stabilste Zustand sei in der Mitte. Die Mitte ist viel st\u00e4rker als die Reichen und Armen. Wenn sich Politik nur an die Reichsten wendet, dann gibt es eine Oligarchie. Wenn dann die meisten arm sind, ist das Ergebnis eine Revolution. Wenn sich die Regierung nicht um die Mittelschicht mit ihrer Tradition k\u00fcmmert, wird der Staat instabil.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Zur\u00fcck zur besetzten Krim: Wie k\u00f6nnte man Russland wieder auf den Boden des V\u00f6lkerrechts bringen \u2013 oder anders gefragt: W\u00fcrden gelockerte Sanktionen Putin nicht ermutigen, weiter an Land zu gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p>Ihor Smeschko: Ohne jeden Zweifel. Das Hauptziel des asiatisch gepr\u00e4gten selbst ernannten Dritten Rom ist St\u00e4rke. Russland erkennt aus der Geschichte nur Macht als geopolitischen Faktor an. Sie wissen, was Alexander III gesagt hatte? Russland hat nur zwei Freunde: die russische Armee und die russische Marine. Jede Nation hat vier Machtelemente: Wirtschaft, Milit\u00e4r, politische Diplomatie und Information. Derzeit hat Russland durch die Streitkr\u00e4fte die gr\u00f6\u00dfte Armee und das zweitgr\u00f6\u00dfte Atomwaffenarsenal der Welt. In der Wirtschaft haben sich Oligarchen aller Ressourcen und dem ganzen Geld bedient, das BIP ist niedrig. Die politische Diplomatie sieht so aus, dass die Geheimdienste in allen westlichen L\u00e4ndern Lobby-Arbeit betreiben und die Systeme untergraben.<\/p>\n<p>In Sachen Information gibt es Russia Today. Russia Today hat heute mehr Budget als die ukrainischen Streitkr\u00e4fte. In dieser Situation nicht den Krieg erkennen zu wollen, der mitten in Europa tobt, wo Tausende von ukrainischen Menschen get\u00f6tet werden, ist grob fahrl\u00e4ssig. Ich stehe zwar absolut nicht an, die Position Ihres Kanzlers zu kritisieren, aber diese Politik mit gelockerten Sanktionen ist \u00e4u\u00dferst kurzsichtig gedacht. Und Europa nimmt im Allgemeinen seine geopolitische Pflicht nicht wahr. Wissen Sie, was Russland am meisten f\u00fcrchtet? Ein geeintes Europa und dessen kulturelle wie demokratischen Werte\u00a0 an der russischen Grenze. F\u00fcr die Machthaber im Kreml ist das n\u00e4mlich sehr gef\u00e4hrlich, womit das Hauptziel der Politik darin besteht, die Europ\u00e4ische Einigung zu zerst\u00f6ren. Wenn es n\u00e4mlich diese europ\u00e4ische Konf\u00f6deration einschlie\u00dflich der Ukraine geben w\u00fcrde, w\u00e4re die Gefahr, den autokratischen Staat Russland zu untergraben, enorm.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Der Euromajdan ist jetzt \u00fcber f\u00fcnf Jahre her. Wie ist derzeit die Lage in der Ukraine?<\/strong><\/p>\n<p>Ihor Smeschko: Die Situation ist schwierig. Die Ukraine befindet sich in einem tats\u00e4chlichen Krieg, wir haben einen Teil unseres Territoriums verloren und jeden Tag sterben unsere Soldaten, um das Territorium der Ukraine zu verteidigen. Es ist ein Krieg, den die Welt nicht erkennt. Und das ist nicht nur ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Es ist ein Krieg zwischen zwei Zivilisationen, den europ\u00e4isch gepr\u00e4gten und den asiatisch gepr\u00e4gten. Diese beiden Majdans, die wir 2004 und 2013\/14 in meinem Land hatten, waren eine Gegenreaktion auf die politische F\u00fchrung in der Ukraine, die versuchte, das russische Modell des Autoritarismus aufzubauen. Die westliche Demokratie bewegt sich langsam in Richtung der Grenze zur Russischen F\u00f6deration, und der Kreml hat daher beschlossen, die ukrainische Frage mit Krieg zu l\u00f6sen. Der Erfolg der Demokratie in der Ukraine k\u00f6nnte f\u00fcr die Existenz der Autorit\u00e4t Russlands entscheidend sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1706 size-large\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Smesho-3-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" \/><\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte ein Beispiel sein, dass es die russische Autorit\u00e4t n\u00e4mlich trotz der starken Propaganda nicht schafft, die Mentalit\u00e4t und das Denken der russischen Bev\u00f6lkerung zu \u00e4ndern. Deshalb handeln sie mit milit\u00e4rischer St\u00e4rke, um die Verbreitung der Demokratie zu stoppen.<\/p>\n<p>Das Problem in der Ukraine ist ein inneres und ein Problem von au\u00dfen. In der Ukraine besteht das Hauptproblem darin, dass es seit 1991 keine wirkliche politische Elite gibt, die sich ehrlich und ernsthaft den Prinzipien der Demokratie verschrieben hat. Die politische Elite an der Macht versuchte w\u00e4hrend der Majdans, ein autorit\u00e4res Regime wie Russland zu kopieren, aber sie kennen die Geschichte des ukrainischen Volkes nicht. Diese beiden Majdans, die zivile Proteste gegen das autorit\u00e4re Regime waren, richteten sich gegen dieses russische Staatsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Zwar konnten die Majdans die Diktatur beenden, aber sie waren nicht in der Lage, Demokratie aufzubauen. Um dies aufzubauen, braucht es echte politische Parteien, die sich der Ideologie des Aufbaus von Demokratie unterwerfen.<\/p>\n<p><strong>Paneuropa: Wir danken f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 31. M\u00e4rz finden in der Ukraine die Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt. Einer der Kandidaten ist General Ihor Smeschko, ehemaliger ukrainischer Geheimdienstchef. 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