
{"id":1849,"date":"2019-07-03T08:50:27","date_gmt":"2019-07-03T06:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paneuropa.at\/?p=1849"},"modified":"2019-07-03T08:50:27","modified_gmt":"2019-07-03T06:50:27","slug":"montanunion-reloaded","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/en\/montanunion-reloaded\/","title":{"rendered":"Montanunion reloaded!"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Staaten haben entschieden: Die Spitzenposten im Europa der 28 Staaten gehen an Westeuropa. Die vorgeschlagenen Personen sind allesamt Profis und erfahren. \u00dcbrig bleibt: Wenn Frankreich nicht will, steht alles still. Ein verheerendes Signal, auch f\u00fcr die L\u00e4nder S\u00fcdosteuropas.\u00a0Ein Kommentar von Stefan Hab\u00f6ck, Internationaler Referent der Paneuropabewegung \u00d6sterreich.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach tagelanger Verhandlung haben sich die Staats- und Regierungschef im Europ\u00e4ischen Rat auf die Namen geeinigt, die sie f\u00fcr die Spitzenposten in der Europ\u00e4ischen Union dem vorschlagen. Charles Michel, der nach dem Zusammenbruch der Regierungskonstellation in Belgien einer \u00dcbergangsregierung vorsteht, soll Pr\u00e4sident des Rates werden und damit Donald Tusk abl\u00f6sen. Josep Borell, der 72-j\u00e4hrige spanische Sozialist m\u00f6chte Federica Mogherini im Amt des Hohen Au\u00dfenbeauftragten der EU beerben. Mit Christine Lagarde, der zur EVP geh\u00f6rigen Franz\u00f6sin, wurde die Direktorin des IWF f\u00fcr die Spitze der Europ\u00e4ischen Zentralbank nominiert. Pr\u00e4sidentin der Kommission, die erste Frau in diesem Amt, soll laut Vorschlag des Rates die deutsche CDU-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen werden.<\/p>\n<h6><strong>Nationale Regierungsbildungen dauern oft bedeutend l\u00e4nger<\/strong><\/h6>\n<p>Eines vornweg: Am 26. Mai fanden die Wahlen zum Europ\u00e4ischen Parlament statt, knapp f\u00fcnf Wochen sp\u00e4ter einigt sich der Rat \u2013 nach langem Tauziehen \u2013 auf die Personalie. F\u00fcnf Wochen sind keine lange Zeit angesichts der Tatsache, dass hier Staats- und Regierungschefs aus 28 Staaten und vier Parteienfamilien miteinander verhandeln. Wie sich die jeweiligen Personen im Amt machen, wird man anhand der Praxis beurteilten m\u00fcssen. So fair sollte man sein.<\/p>\n<h6><strong>Auffallend sind am Personalpaket zwei Dinge<\/strong><\/h6>\n<p>Erstens kommen die beiden Frauen aus der EVP Parteienfamilie. Die Europ\u00e4ischen Sozialdemokraten, sonst Bef\u00fcrworter von Frauenquoten f\u00fcr private Unternehmen, nominieren nur M\u00e4nner. Zweitens, die vier Damen und Herren stammen alle aus Westeuropa. Mit Deutschland, Frankreich und Belgien kommen drei Gr\u00fcnderstaaten der EGKS zum Zug. Spanien trat 1986 der Union bei. Selbst in der vorigen Periode war mit dem Polen Donald Tusk ein \u2013 sehr anerkannter \u2013 Nicht-Westeurop\u00e4er vertreten.<\/p>\n<p>Ost- und S\u00fcdosteuropa spielt hier keine Rolle. Auch wenn der Slowake Sefcovic und der Bulgare Stanishev als Kommissionsvizepr\u00e4sident beziehungsweise Parlamentspr\u00e4sident ab der zweiten H\u00e4lfte der Legislatur genannt werden.<\/p>\n<p>Hier tun sich Fragen auf, die wohl erst im Laufe der Periode zu beantworten sind:<\/p>\n<ul>\n<li>War es verhandlungstaktisches Ungeschick der Ost- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4nder? Zum Beispiel, dass man sich auf keinen \u201eVisegrad\u201c-Kandidaten geeinigt hat?<\/li>\n<li>Ist es \u201ewestliche\u201c Arroganz, mit der sich gro\u00dfe westeurop\u00e4ische Staaten die Posten untereinander ausmachen?<\/li>\n<li>Ist es vielleicht auch durchaus passend und nicht ungewollt, dass zuk\u00fcnftig jegliche Kritik an den L\u00e4ndern Ost- S\u00fcdosteuropas von \u201ewesteurop\u00e4ischen\u201c Politikern kommt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Punkt drei wird sich erst \u00fcberpr\u00fcfen lassen, wenn es seitens der Kommission erste Androhungen zu Verfahren gibt. Auch hier wird man sehen, ob nur Polen und Ungarn im Fokus stehen, oder ob man auch unabh\u00e4ngig von der jeweils regierenden Partei rechtsstaatliche Prinzipien bei anderen Staaten einfordert. Stichwort Rum\u00e4nien.<\/p>\n<p>Andererseits k\u00f6nnte man schon einwerfen, dass es a la longue auch f\u00fcr ihre Staaten sicherlich besser w\u00e4re, w\u00fcrde man nicht st\u00e4ndig mit der Rolle der \u201eWir gegen Br\u00fcssel\u201c-K\u00e4mpfer kokettieren.<\/p>\n<p>Punkt zwei klingt hart, man kann aber nach der Performance von Staatspr\u00e4sident Macron (im Team mit dem spanischen Ministerpr\u00e4sidenten Sanchez) eine gewisse \u00dcberheblichkeit gro\u00dfer westeurop\u00e4ischer EU-Staaten nicht ganz von der Hand weisen. Macron, schon bekannt als gro\u00dfer Blockierer, hat nicht von Anfang an jede L\u00f6sung mit Manfred Weber, immerhin Spitzenkandidat der gr\u00f6\u00dften Partei, vom Tisch gefegt. Sondern mit ihr auch Margrethe Vestager um die Chance gebracht. Vestager war keine Spitzenkandidatin im klassischen Sinne, da die ALDE unter dem Druck des franz\u00f6sischen Staatschefs auf dieses Prinzip quasi verzichtete. Sie war aber die Frontfrau.<\/p>\n<h6><strong>Le Jupiter hat gesprochen<\/strong><\/h6>\n<p>Doch Macron w\u00e4re nicht franz\u00f6sischer Staatspr\u00e4sident und dementsprechend selbstbewusst, w\u00fcrde er seinen Willen f\u00fcr einen Kompromiss zur\u00fccknehmen. Nicht nur, dass er im Rat den beiden gr\u00f6\u00dften Fraktionen das Spitzenkandidatenmodell ausschaltete, er verkn\u00fcpft das auch noch mit einer Blockade der Westbalkanstaaten.<\/p>\n<p>Klingt wenig logisch, diese beiden Dinge \u2013 EZB-Chefin und Westbalkan (S\u00fcdosteuropa) \u2013 miteinander zu verbinden? Nur auf den ersten Blick. Denn Macron fordert seit Amtsantritt eine umfassende und tiefergehende Reform der EU. Das beinhalt neben \u2013 etatistischen und milliardenschweren \u2013 neuen Gremien, extra geschaffenen Institutionen und neuen Steuern \u2013 auch ein europaweites Prozedere f\u00fcr die EU-Wahl und daran gekn\u00fcpft f\u00fcr die Spitzenposten in der EU.<\/p>\n<h6><strong>Der Westbalkanprozess stockt \u2013 Frankreich und Niederlande wollen es so<\/strong><\/h6>\n<p>Das Problem \u2013 vor allem f\u00fcr den Westbalkan \u2013 ist nun aber, dass die Mehrheit der EU-Staaten seine Pl\u00e4ne (Eurozonenbudget, usw.) ablehnen, der Pr\u00e4sident seine Zustimmung zu einer EU-Erweiterung aber direkt an die Umsetzung \u2013 seiner \u2013 Reformideen kn\u00fcpft. Kurzum: Kein Eurozonenbudget mit eigener Institution \u2013 keine Beitrittsgespr\u00e4che mit Mazedonien. Was sich einst als europ\u00e4ischer Staatsmann ank\u00fcndigte, entpuppte sich schnell als rasch eingeschnappter, protektionistischer Blockierer einer der wichtigsten geopolitischen Entscheidungen f\u00fcr die europ\u00e4ische Zukunft.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Personalpaket: Man wird die einzelnen Personen im Amt an ihren Taten messen m\u00fcssen. In einer Zeit radikalerer politischer Rhetorik ist es wichtig, dass die vern\u00fcnftigen Kr\u00e4fte auch Fairness walten lassen. Bei manchen Entscheidungen muss man aber schon auch zugeben, dass das Gerede von einer West-Ost-Spaltung, nicht ganz von der Hand zu weisen ist.<\/p>\n<p>c Beitragsbild: Europ\u00e4ische Union<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Staaten haben entschieden: Die Spitzenposten im Europa der 28 Staaten gehen an Westeuropa. 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