
{"id":2238,"date":"2020-09-07T18:39:38","date_gmt":"2020-09-07T16:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paneuropa.at\/?p=2238"},"modified":"2020-09-07T18:39:38","modified_gmt":"2020-09-07T16:39:38","slug":"die-konservative-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/en\/die-konservative-bewegung\/","title":{"rendered":"Die konservative Bewegung"},"content":{"rendered":"<p><em>Ideen von heute sind Taten von morgen: Individualismus, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sind die Grundpfeiler Europas und Amerikas. Unfreiheit ist ein Wesensmerkmal jeder sozialistischen Spielart, auch des \u201egr\u00fcnen Sozialismus\u201c. Der Weg zur H\u00f6lle ist mit irdischen Paradiesverhei\u00dfungen gepflastert. Neid l\u00e4hmt, Freiheit befl\u00fcgelt. Impulsgeber Friedrich August von Hayek und Russell Kirk.\u00a0Von Ludwig Bayer<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Otto von Habsburgs Worte zur Bedeutung der Freiheit (zitiert in der vorigen PANEUROPA-Ausgabe) geben Ansto\u00df f\u00fcr \u00dcberlegungen. Der Blick richtet sich auf Individualismus, Freiheit und Rechtsordnung. Die Aus\u00fcbung von Macht soll stets an diese Werte gebunden sein und durch Dezentralisierung im Sinne des Subsidiarit\u00e4tsprinzips b\u00fcrgernah gestaltet werden. Da \u201edas Eigentum eines der wichtigsten Elemente der Freiheit ist\u201c, m\u00fcssen die M\u00f6glichkeiten des Staates, durch sein Steuersystem \u201erisikoloser Mitbesitzer\u201c zu werden, rechtlich stark begrenzt sein. Otto von Habsburgs Pl\u00e4doyer: \u201eDie Eind\u00e4mmung der B\u00fcrokratie im Staat und erst recht in der Wirtschaft ist so gesehen das Gebot der Stunde.\u201c<\/p>\n<p>Der zweite Ansto\u00df kommt von Bundeskanzler Sebastian Kurz, der im Juli in einem Gastbeitrag f\u00fcr das amerikanische Nachrichtenmagazin TIME einen Warnschuss abfeuerte: Der Kampf gegen den Klimawandel d\u00fcrfe nicht zu einem \u201esozialistischen Zentralstaat in gr\u00fcner Verkleidung\u201c f\u00fchren. Nachhaltig wirksam k\u00f6nne man den Klimawandel nur bek\u00e4mpfen, wenn man dabei auf dem Boden von Demokratie, freier Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit bleibe.<\/p>\n<p>In der Tat gef\u00e4hrden linke Ideologen die Freiheit, sobald sie auf eine Politik der Verbote in einem \u201esozialistischen Zentralstaat in gr\u00fcner Verkleidung\u201c hinarbeiten; dann gleichen sie Wassermelonen: au\u00dfen gr\u00fcn, innen rot. Je mehr Zust\u00e4ndigkeiten die staatliche B\u00fcrokratie zwecks Durchsetzung gr\u00fcnroter Ziele erh\u00e4lt, umso kleiner wird der Entscheidungsspielraum der einzelnen Menschen \u2013 bis am Ende eines solchen Prozesses der Freiheit die Atemluft ausgeht.<\/p>\n<p>Ein Vortrag, den ich k\u00fcrzlich h\u00f6ren wollte, wurde von Wien per Video \u00fcbertragen. In Szene trat ein selbsternannter Prophet, der nach Schrumpfung der Industrie rief. Mit der Beharrlichkeit einer tibetischen Gebetsm\u00fchle sprach er von der \u201eUnhaltbarkeit des Kapitalismus\u201c und beschwor eine k\u00fcnftige rotgr\u00fcne heile Welt. Wahrscheinlich tr\u00e4umt er, man k\u00f6nne die halbe Bev\u00f6lkerung zu Biobauern machen und die andere H\u00e4lfte als gr\u00fcne Ern\u00e4hrungskommissare in die H\u00e4user (falls es sie dann noch gibt) oder in die Strohh\u00fctten k\u00fcnftiger Generationen schicken. Um dies politisch durchzusetzen und zu verwalten, bedarf es unweigerlich einer monstr\u00f6sen Kontrollb\u00fcrokratie in einem \u00d6ko-Steuern-Staat. So grau sieht gr\u00fcner Sozialismus aus.<\/p>\n<p>Ein Impulsgeber f\u00fcr diese Gedankenwelt war ein reicher Mann, dessen Diener mit wei\u00dfen Handschuhen Champagner servierten, w\u00e4hrend er seinen wohlstandsm\u00fcden und verdrossen pessimistischen Zuh\u00f6rern Utopien von einer \u201ePost-Wachstums-Gesellschaft\u201c auftischte: Aurelio Peccei, Gr\u00fcnder des \u201eClub of Rome\u201c.<\/p>\n<h5>Satte Menschen und ihre Utopien<\/h5>\n<p>Satte Menschen, die alles hatten, schw\u00e4rmten von einem romantischen Leben im Verzicht \u2013 mit Birkenstock-Sandalen und Bircherm\u00fcsli. Sie behaupteten, unser Planet vertrage kein Wirtschaftswachstum. Ohne radikale Umkehr werde die Erde kollabieren. Wohlstand mache nicht gl\u00fccklich, predigten Angeh\u00f6rige des Geldadels. Und sie forderten, die Industrie auf dem Stand der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einzufrieren. Die Menschheit, das verk\u00fcndeten vor nunmehr 50 Jahren diese \u201eZukunftspessimisten mit schlechtem Gewissen\u201c, werde am Beginn des 21. Jahrhunderts an \u00dcberbev\u00f6lkerung, Nahrungsmangel und Umweltverschmutzung zugrunde gehen.<\/p>\n<p>Das Problem des rasanten Wachstums der Weltbev\u00f6lkerung wurde zwar richtig erkannt, die meisten anderen Prognosen hingegen erwiesen sich als Seifenblasen. Der Fortschritt von Wissenschaft und Technik bietet von Jahr zu Jahr neue L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Probleme. Dadurch l\u00e4sst sich der Ressourcenverbrauch senken und heute ist es schon aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden selbstverst\u00e4ndlich, dass unsere Industrie vielfach auf Recycling setzt. Die Umstellung auf Elektroautos zur individuellen Fortbewegung, Wind- und Solarkraft f\u00fcr Elektrolyse sowie Wasserstoff f\u00fcr Hoch\u00f6fen sind die n\u00e4chsten Schritte.<\/p>\n<p>An den guten Absichten des Club of Rome ist nicht zu zweifeln. Vieles von seinen \u00c4u\u00dferungen aber ist nicht schl\u00fcssig. So erklingt die Melodie, reiche Industriel\u00e4nder des Nordens sollten mehr f\u00fcr die armen Entwicklungsl\u00e4nder des S\u00fcdens tun. Wie dies aber ohne Wirtschaftswachstum m\u00f6glich sein soll, z\u00e4hlt zu den am besten geh\u00fcteten Geheimnissen.<\/p>\n<p>Fragw\u00fcrdig ist auch, dass manche Verlautbarungen des Clubs den geistigen N\u00e4hrstoff f\u00fcr jene ideologische Fehlentwicklung liefern, vor der Sebastian Kurz im TIME-Magazin zu Recht warnt.<\/p>\n<p>Undenkbar erscheint, dass gr\u00fcnrote Programme des Schrumpfens von Wirtschaft (und Wohlstand) demokratisch beschlossen werden. Ein linker Professor mit Machtappetit erkl\u00e4rte in kleinem Kreis (ich war dabei), falls man keine Mehrheit finde, m\u00fcsse man eben den leninistischen Weg gehen und eine \u201eAvantgarde\u201c schaffen, die \u201edas Notwendige\u201c autorit\u00e4r durchsetze. Das sind brandgef\u00e4hrliche Gedanken, \u00fcber die sich nur der einbalsamierte Lenin in seinem Moskauer Mausoleum freuen kann. F\u00fcr eine Utopie mit Gl\u00fccksverhei\u00dfung f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen scheint alles erlaubt zu sein, auch der leninistische Weg der Abschaffung der Demokratie. Wer sich selbst zu den \u201eGuten\u201c z\u00e4hlt und seine Visionen f\u00fcr alternativlos h\u00e4lt (Engl\u00e4nder spotten \u00fcber TINA = there is no alternative), kann dem Wahn verfallen, der Zweck heilige jedes Mittel. Der zitierte \u00f6sterreichische Universit\u00e4tsprofessor ist bekennender linker Gr\u00fcner. Sein Beispiel weist auf Br\u00fccken hin, die rote und linksgr\u00fcne Ideologen verbinden. Je verbohrter ihre \u00dcberzeugung ist, sie allein h\u00e4tten den Schl\u00fcssel zu einer \u201ebesseren Welt\u201c in der Hand, umso gef\u00e4hrlicher werden sie. Die Geschichte lehrt: Der Weg zur H\u00f6lle ist mit irdischen Paradiesverhei\u00dfungen gepflastert.<\/p>\n<h5>Knechtschaft oder Freiheit<\/h5>\n<p>Sobald Gesellschaft und Wirtschaft dem staatlichen Kommando unterliegen, ist der \u201eWeg zur Knechtschaft\u201c (Buchtitel) vorgezeichnet. Der \u00d6sterreicher Friedrich August von Hayek publizierte dieses bahnbrechende Werk 1944 in englischer Sprache (\u201eThe Road to Serfdom\u201c) und 1945 auf Deutsch. 1960 folgte die programmatische Buchver\u00f6ffentlichung \u201eThe Constitution of Liberty\u201c in den USA. Hayek, der Jahre sp\u00e4ter den Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften erhielt, holte Otto von Habsburg in die von ihm geleitete Mont-Pelerin-Society, deren Ziel es war, nach den planwirtschaftlichen Exzessen der Kriegszeit die Marktwirtschaft popul\u00e4r zu machen und \u00fcber die Universit\u00e4ten mit einem theoretischen Fundament abzusichern. Hayek wusste: Die Ausuferung der Macht staatlicher B\u00fcrokratien und damit Funktion\u00e4re, die sich mittels \u00fcberh\u00f6hter Steuern selbst m\u00e4sten, geht stets zu Lasten der Freiheit.<\/p>\n<p>Ein anderer \u00d6sterreicher, der ebenfalls jahrelang als Professor in den USA wirkte und dort Barry Goldwater unterst\u00fctzte, war Helmut Schoeck. Er beschrieb in seinen B\u00fcchern den Neid als motivierende Grundemotion der Sozialisten. Fassen wir die Denkanst\u00f6\u00dfe Hayeks und Schoecks zusammen: Neid bremst \u2013 Freiheit befl\u00fcgelt. Es sind immer zuerst die Ideen, denen die Taten folgen. Die Idee der Freiheit war st\u00e4rker als die kollektivistischen Heilsversprechen linker Gleichheitsprediger. Der Kalte Krieg, der auf den Zweiten Weltkrieg folgte, war zun\u00e4chst ein Ringen der Argumente und Konzepte. Da Kollektivismus und Egalitarismus die sch\u00f6pferischen Kr\u00e4fte der auf Freiheit und Innovationen angewiesenen Wirtschaft l\u00e4hmten, gerieten die L\u00e4nder des \u201ereal existierenden Sozialismus\u201c auch materiell immer deutlicher ins Hintertreffen.<\/p>\n<h5>Der Antiamerikanismus der Linken und Rechten<\/h5>\n<p>Wenngleich derzeit der Atlantik breiter zu werden droht, darf nicht vergessen werden, dass es die USA waren, die jahrzehntelang in Europa die kommunistische Herrschaft zuerst eind\u00e4mmten, dann an die Wand dr\u00fcckten und schlie\u00dflich zu Fall brachten. Der Antiamerikanismus der Linken ist die logische Folge. Ein Salzburger Politikwissenschaftler fragte mich, warum es auch bei Rechtsextremisten heftigen Antiamerikanismus gibt. Ich antwortete ihm: Aus einem \u00e4hnlichen Grund, denn die USA haben sowohl eine kommunistische Herrschaft wie auch eine nationalsozialistische Herrschaft \u00fcber ganz Europa verhindert. Die Freunde der beiden ausgehebelten Totalitarismen hassen seither Amerika gleich fanatisch, wobei im rechtsextremen Milieu als ideologische Spezialit\u00e4t noch antisemitische Girlanden mit wirren Verschw\u00f6rungsphantasien angeh\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>Die Utopien der Sozialisten fanden unter den eher pragmatisch denkenden Amerikanern relativ wenig Anh\u00e4nger. Der bodenst\u00e4ndige Unterhaltungsk\u00fcnstler Groucho Marx erreichte mehr Resonanz als der weltfremde Gedankenakrobat Karl Marx. F\u00f6rderlich war, dass die aufkeimende Conservative Movement \u00fcber gro\u00dfe Denker verf\u00fcgte, die sich mit den Argumenten der Sozialisten auseinandersetzten.<\/p>\n<h5>Geistige Munition f\u00fcr die politische Arbeit<\/h5>\n<p>Die Sammlungsbewegung, die sich 1964 rund um den republikanischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Barry Goldwater formierte, brauchte geistige Munition f\u00fcr ihre Arbeit. Im Goldwater-Wahlkampf \u2013 der freilich damals nicht zum Einzug des Senators ins Wei\u00dfe Haus f\u00fchrte \u2013 bildete sich erstmals so etwas wie eine funktionierende Organisation der Konservativen, die von K\u00fcste zu K\u00fcste reichte. Ronald Reagan hielt erstmalig gro\u00dfe politische Reden, die landesweit \u00fcbertragen wurden und die sein politisches Talent erkennen lie\u00dfen. Die Konservativen nahmen untereinander Kontakt auf und hielten auch in den folgenden Jahren zusammen. Schlie\u00dflich entstand eine kraftvolle Bewegung, die Ronald Reagan 1980 zum Wahlsieg f\u00fchrte. Barry Goldwater besuchte Ronald Reagan danach im Wei\u00dfen Haus. Reagan bedankte sich bei Goldwater f\u00fcr die richtungsweisenden Leistungen von 1964, die ihm in den folgenden Jahren geholfen h\u00e4tten.<\/p>\n<h5>Von Barry Goldwater zu Ronald Reagan<\/h5>\n<p>In einer Dankesrede vor dem inneren Zirkel seiner Freunde und Helfer sagte Reagan damals, er wolle nicht vom Wahlsieg einer einzelnen Person sprechen. Denn der Erfolg ruhe auf vielen Schultern. Ronald Reagan w\u00fcrdigte die geistige Vorarbeit, die im Aufbau der Conservative Movement lag. Er nannte den \u00d6konomen Friedrich August von Hayek, den Philosophen Russell Kirk und einige andere Pers\u00f6nlichkeiten. Mit Russell Kirk war Otto von Habsburg eng befreundet. Karl von Habsburg wohnte zeitweilig in Kirks Haus in Michigan. Auch ich kannte Russell Kirk pers\u00f6nlich und sch\u00e4tzte ihn sehr.<\/p>\n<div id=\"attachment_2240\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2240\" class=\"wp-image-2240 size-full\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ronald-Reagan-scaled-e1599496649129-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"1241\" srcset=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ronald-Reagan-scaled-e1599496649129-1.jpg 1000w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ronald-Reagan-scaled-e1599496649129-1-242x300.jpg 242w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ronald-Reagan-scaled-e1599496649129-1-825x1024.jpg 825w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Ronald-Reagan-scaled-e1599496649129-1-768x953.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-2240\" class=\"wp-caption-text\">Der Sieg von Ronald Reagan bei den US-Pr\u00e4sidentenwahlen 1980 war unter anderem auf die konsequente Arbeit der konservativen Bewegung zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p><\/div>\n<p>Kirk lehrte unter anderem an der Katholischen Universit\u00e4t in der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington. Dort warteten wir einmal lange auf Kirk, der \u00fcberraschenderweise mit einem Dienstwagen Reagans ins Wei\u00dfe Haus chauffiert worden war. Nachdem Kirk von der Unterredung mit dem Pr\u00e4sidenten zur\u00fcckkam, erz\u00e4hlte er lachend \u2013 ich erinnere mich daran, als w\u00e4re es gestern \u2013, was er im Zentrum der Macht vernommen hatte. Ronald Reagan war kurz zuvor von einem Treffen mit Michail Gorbatschow heimgekehrt. Reagan berichtete, dass er dem Sowjetf\u00fchrer folgenden Witz erz\u00e4hlt hat: \u201eWie gro\u00df ist der Kommunismus?\u201c; Reagan hob eine Hand in Kinnh\u00f6he und setzte fort \u201eso gro\u00df, denn alle sagen: der Kommunismus steht uns bis hierher\u201c. Kirk bemerkte, Reagan verf\u00fcge \u00fcber so viel urw\u00fcchsigen Humor, dass er zu seinen Mitarbeitern im Wei\u00dfen Haus gesagt habe: \u201eWenn irgendetwas Wichtiges passiert, wecken Sie mich sofort auf \u2013 auch wenn es w\u00e4hrend einer Regierungssitzung ist.\u201c<\/p>\n<h5>Conservative Mind auch in \u00d6sterreich<\/h5>\n<p>Reagan hatte Hayeks Werk \u00fcber den roten \u201eWeg zur Knechtschaft\u201c gelesen. Dieses Buch erreichte eine Auflage von \u00fcber zwei Millionen und war auch im Goldwater-Wahlkampf, an dem Reagan als brillanter Redner mitwirkte, ein viel genutzter Stichwortgeber. Russell Kirks Buch \u201eThe Conservative Mind\u201c hatte als Grundlagenwerk der Konservativen sp\u00e4ter eine \u00e4hnlich nachhaltige Wirkung. Die paneurop\u00e4ische Junge Europ\u00e4ische Studenten-<br \/>\ninitiative (JES-Studenteninitiative) brachte in \u00d6sterreich T-Shirts mit der Aufschrift \u201eConservative Mind\u201c in Umlauf. Kirk trat als Redner bei JES-Veranstaltungen auf.<\/p>\n<p>Jahrzehntelang spielten Medien eine herausragende Rolle. Russell Kirk gr\u00fcndete \u2013 zusammen mit dem Verleger Henry Regnery \u2013 die Zeitschrift \u201eModern Age\u201c. Russell Kirk gab den amerikanischen Konservativen Identit\u00e4t, Selbstbewusstsein und Mut. Der Historiker Stephen Tonsor behauptete sogar, mit Russell Kirk, dem \u201eGodfather of the Conservative Movement\u201c, sei der Anfang vom Ende der linksliberalen intellektuellen Dominanz eingetreten. Mehrfach wurden geistige Meilensteine gesetzt.<\/p>\n<h5>Medien spielten eine herausragende Rolle<\/h5>\n<p>Bill Buckley gr\u00fcndete das Magazin \u201eNational Review\u201c. Und in New York etablierte sich die Zeitschrift \u201eCommentary\u201c (Selbstbeschreibung: our readers are leaders). Bill Buckley schrieb mehrere B\u00fccher und gr\u00fcndete die konservative Jugendorganisation \u201eYoung Americans for Freedom\u201c. Richard M. Weaver ver\u00f6ffentlichte ein Werk, das gro\u00dfen Einfluss aus\u00fcbte. Sein Titel \u201eIdeen haben Konsequenzen\u201c wurde zur Fanfare der amerikanischen Konservativen. Weaver warnte, eine Erosion der aus der christlichen Tradition geschaffenen tragenden S\u00e4ulen unserer Gesellschaft k\u00f6nne zur Aufl\u00f6sung des Westens f\u00fchren. \u00c4hnlich argumentierten James Burnham und andere Autoren.<\/p>\n<p>Parallel dazu gelang die Mobilisierung der jungen Generation. Aus der ersten Ausgabe der konservativen Jugendzeitschrift \u201eNew Guard\u201c ist ersichtlich, was junge Konservative bewegte: \u201eUns ist sterbens\u00fcbel von Kollektivismus, Sozialismus und anderen Utopien\u201c. Die Begeisterung relevanter Teile der Jugend f\u00fcr konservative Ideen machte Eindruck. Die h\u00e4ufig linksliberal tickende \u201eMedienelite\u201c musste von einem ihrer Lieblingsklischees Abschied nehmen: von der Annahme, dass junge Leute gleichsam naturgesetzlich nach links driften.<\/p>\n<p>Zu den \u00e4ltesten Denkfabriken der Conservative Movement z\u00e4hlt die Heritage Foundation mit ihrer Zeitschrift \u201ePolicy Review\u201c. Einen Teil der Bewegung bilden jene Intellektuellen, die sich Neo-Konservative nennen. Laut Irving Kristol \u2013 ihrem ersten Wortf\u00fchrer \u2013 ist der Neo-Konservative \u201eein ehemaliger Linker, der von der Wirklichkeit \u00fcberw\u00e4ltigt wurde\u201c. Die \u201eneocons\u201c, wie sie genannt werden, verf\u00fcgen mit dem American Enterprise Institute for Public Policy Research \u00fcber eine eigene Ideen- und Argumente-Werkstatt. Auch dies begann, wie so oft, mit einer Zeitschrift. 1965 gr\u00fcndete Irving Kristol \u201eThe Public Interest\u201c \u2013 mit dem Ziel, das politische Denken in Amerika von linken Utopien zu befreien. Sein Sohn William Kristol setzte mit der Zeitschrift \u201eThe Weekly Standard\u201c die erfolgreiche Aufr\u00e4umarbeit fort. Damals wie heute geht es um die politische Umsetzung konservativer Werte und Konzepte. Schon Irving Kristol, der Vater, war \u00fcberzeugt, dieses Ziel durch stete \u201egeistige Munitionierung\u201c erreichen zu k\u00f6nnen. Das Ergebnis war, dass einige Grundwahrheiten in das amerikanische Bewusstsein geh\u00e4mmert wurden. So die Einsicht, dass ein mit hohen Steuern aufgebl\u00e4hter Wohlfahrtsstaat zu negativen Ver\u00e4nderungen des Verhaltens f\u00fchrt und die Leistungsbereitschaft abbaut.<\/p>\n<p>Ideen von heute sind Taten von morgen. Unsere Zukunft in Freiheit muss mit geistigen Mitteln gesichert werden. Neid, Gleichheitsideologie und Kollektivismus \u2013 Merkmale rotgr\u00fcnen Denkens \u2013 k\u00f6nnen durch Bewusstseinsbildungsarbeit entsch\u00e4rft werden. Jede geistige Arbeit braucht auch eine materielle Grundausstattung. Ein Beispiel: 1964 begab sich der junge Konservative Richard Viguerie zum Repr\u00e4sentantenhaus, um die dort aufliegende Liste mit den 12.500 Namen derer, die mehr als f\u00fcnfzig Dollar f\u00fcr die Barry-Goldwater-Wahlkampagne gespendet hatten, abzuschreiben. 1965 gr\u00fcndete er mit einem Mitarbeiter seine eigene Postversandfirma. 1980 focht er mit mehr als 200 Angestellten f\u00fcr Ronald Reagan. Er verf\u00fcgte \u00fcber die Namen von Millionen Amerikanern, die bereit waren, mitzuk\u00e4mpfen.<\/p>\n<h5>Konservative und klassisch Liberale<\/h5>\n<p>Die Conservative Movement wuchs zu einer geistigen Gro\u00dfmacht heran, die auch in Gegenwart und Zukunft \u00fcber eine breite Basis verf\u00fcgt. Sie ist keine rein amerikanische Angelegenheit, denn sie hat auch uns gezeigt, wie der Zentralbegriff der Freiheit Konservative und klassische Liberale zusammenschwei\u00dft. Laut Russell Kirk verk\u00f6rpern Konservative eine Haltung, nicht eine Ideologie. Ungeachtet ihrer politischen Pr\u00e4ferenzen sind sie an keine Partei fest gebunden. Goldwater und Reagan waren Kandidaten der Republikanischen Partei, die von der Conservative Movement getragen wurden. Donald Trump hingegen erscheint vielen Konservativen als nicht w\u00e4hlbar.<\/p>\n<p>Leben hei\u00dft lernen. Der geistige Austausch zwischen Europa und Amerika funktioniert seit Jahrhunderten in beiden Richtungen. Doch genug des R\u00fcckblicks auf das Erfolgsarsenal der Konservativen in den USA.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit sollten wir nicht als Ruhekissen sehen, sondern als Sprungbrett.<\/p>\n<p>Fotos: Kirk Center, United States Information Agency<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ideen von heute sind Taten von morgen: Individualismus, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sind die Grundpfeiler Europas und Amerikas. Unfreiheit ist ein Wesensmerkmal jeder sozialistischen Spielart, auch des \u201egr\u00fcnen Sozialismus\u201c. 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