
{"id":3127,"date":"2023-08-07T12:36:43","date_gmt":"2023-08-07T10:36:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.paneuropa.at\/?p=3127"},"modified":"2023-08-07T12:36:43","modified_gmt":"2023-08-07T10:36:43","slug":"der-koloss-wackelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/en\/der-koloss-wackelt\/","title":{"rendered":"Der Koloss wackelt"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #000000;\">Zu einem \u201ezweiten Kanada\u201c k\u00f6nnte Russland werden, sobald es den Putinismus mit seinen wahnhaften imperialistischen Zielen absch\u00fcttelt. So urteilte \u00d6sterreichs langj\u00e4hriger Verteidigungsminister Werner Fasslabend k\u00fcrzlich vor dem Salzburger Paneuropaforum in der Stiegl-Brauwelt. Stattdessen ist Russland heute zerr\u00fcttet, sein Volk blutet und seine F\u00fchrer zittern. Der Koloss wackelt. Der Knackpunkt: desillusionierte, demotivierte und traumatisierte K\u00e4mpfer in Putins Kolonialarmee sind Vorboten einer unaufhaltsam nahenden Wende. Exilvorschl\u00e4ge f\u00fcr Prigoschin und Putin.\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;\">Von Ludwig Bayer<\/span><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das New Yorker Nachrichtenportal Bloomberg meldete am 7.7.2023: \u201ePutin beordert tschetschenische K\u00e4mpfer und H\u00e4ftlinge an die Front\u201c. Hintergrund ist, dass sich der Kreml an eine umfangreiche milit\u00e4rische Mobilmachung nicht mehr heranwagt, weil dies h\u00f6chstwahrscheinlich zu offenen Rebellionen in den St\u00e4dten f\u00fchren w\u00fcrde. Seit Prigoschins Marsch Richtung Moskau f\u00fcrchten die Putinisten, die miese Stimmung, begleitet von kleinen latenten Revolten, k\u00f6nne in eine gro\u00dfe Revolution gegen das Regime m\u00fcnden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Putinisten bekommen es mit der Angst zu tun: Angst vor dem eigenen Volk, das in diesem Krieg keinen Sinn mehr sieht \u2013 vor allem, seit Prigoschin bekannt gab, dass alle von Putin verk\u00fcndeten \u201eKriegsgr\u00fcnde\u201c erstunken und erlogen waren. Bloomberg st\u00fctzt sich auf Geheimdienstquellen: Tschetschenen sollen die L\u00fccken in der Frontlinie, die der Wagner-R\u00fcckzug aufgerissen hat, wieder schlie\u00dfen. Nicht bedacht wird dabei freilich, dass Kadyrow \u201eder n\u00e4chste Prigoschin\u201c sein k\u00f6nnte. Er l\u00e4uft sich derzeit warm.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am selben Tag (7.7.) berichtete CNN, was Russen sagen, die in ukrainische Gefangenschaft gerieten. Sie offenbaren Schwachstellen in der Kommandokette: \u201eSchmerzmittelabh\u00e4ngige Kommandeure erteilen unsinnige Befehle, die Soldaten in den Tod treiben\u201c.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Die Kampfmoral der Russen sinkt weiter<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Bei CNN kommen russische Kriegsgefangene zu Wort, die von der ukrainischen Dritten Sturmbrigade festgehalten werden. Sie schildern erschreckende Szenen aus dem Grabenkrieg, Chaos in den eigenen Reihen und eine niedrige und weiter sinkende Kampfmoral. Die Ukrainer h\u00e4tten sie in einem provisorischen Gef\u00e4ngnis untergebracht. Dort h\u00e4tten sie Zugang zu Nahrung, Wasser und Zigaretten. CNN bemerkt, dass viele der russischen Kriegsgefangenen vormalige Strafgefangene sind, die vom Kreml an die Front geschickt wurden, um im Gegenzug ihre Strafen zu reduzieren oder zu annullieren. Immerhin leben sie nun in ukrainischem Gewahrsam besser als zuvor in russischen Kerkern. Jetzt k\u00f6nnen sie westliche Zigaretten rauchen und \u00fcber den \u201egr\u00f6\u00dften F\u00fchrer aller Zeiten\u201c und das d\u00fcstere Schicksal ihrer Heimat nachdenken.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Mit dem Gewehr gegen ukrainische Panzer<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Keine Verpflegung. Kein Wasser. Nichts! Am 8.7.2023 meldete der Twitterkanal Wartranslated: \u201eRussische Soldaten weigern sich zu k\u00e4mpfen. Weil sie blo\u00df mit Gewehren ausgestattet gegen ukrainische Panzer k\u00e4mpfen sollen und schlecht versorgt werden, machen russische Soldaten ihre Lage \u00f6ffentlich. Immer wieder tauchen Videos von russischen Soldaten auf, die in kleinen Gruppen vor der Kamera stehen und auf schlimme Zust\u00e4nde in Russlands Streitkr\u00e4ften aufmerksam machen. Es geht um fehlendes Training, inkompetente Kommandanten, genauso wie mangelhafte Ausr\u00fcstung und ausbleibende Zahlungen\u201c.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Videos zeigen den Frust an der Front<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Neue Filmaufnahmen von der Front schildern den Frust. In einem knapp drei Minuten langen Video, das ein Logo des Nachrichtendienstes Telegram tr\u00e4gt (wo es offenbar zun\u00e4chst verbreitet wurde), sagen die M\u00e4nner, sie seien in der s\u00fcdrussischen Region Altai Krai \u2013 nahe der chinesischen Grenze \u2013 zwangsrekrutiert worden und bef\u00e4nden sich derzeit direkt an der Kriegsfront in der Ukraine. Sie seien an ihrer Position von ukrainischen Panzern beschossen worden. Sie sollen nun den Panzern mit Gewehren entgegentreten. Doch dazu seien sie \u201enicht bereit\u201c. Mehrfach betont ein Soldat, dass er und seine Kameraden unter den gegebenen Bedingungen nicht k\u00e4mpfen k\u00f6nnten und auch nicht k\u00e4mpfen wollten.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Androhung von Kampfverweigerung<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Putin-Truppen sp\u00fcren Mangel an allen Ecken und Enden. Das beginne bei der schlechten Kommunikation mit der Milit\u00e4rf\u00fchrung, die Einheiten nennt, deren Existenz die Soldaten und ihre Familien in Russland inzwischen bezweifeln. Auch die Aussage eines Kommandanten, sie nach einem R\u00fcckzugsgefecht in die \u201edritte Defensivlinie\u201c zur\u00fcck zu verlegen, sei offenkundig eine L\u00fcge gewesen: \u201eWir sind hier in Reihe null\u201c, sagt ein Soldat im Video. Immer mehr russische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige drohen mit Kampfverweigerung. Auch in Sachen Verpflegung sehe es f\u00fcr die russischen Soldaten miserabel aus. Nachdem sie ihre Kommandanten gebeten h\u00e4tten, sie mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen, seien sie im Gegenzug beschimpft worden. \u201eDie erz\u00e4hlen, dass es an der Front im Wald genug Essen und Wasser gibt; in Wahrheit gibt es nichts\u201c. Was die Versorgung der Verletzten angeht, dauert es rund sieben Stunden, bis Hilfe kommt, was bei einigen der Soldaten bereits zur Folge hatte, dass sie Arme und Beine verloren haben, obwohl sie bei angemessen rascher Behandlung ihre Gliedma\u00dfen behalten h\u00e4tten.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Seit Monaten kein Sold mehr ausbezahlt<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die US-Zeitung Newsweek berichtet: \u201eIn einem russischen Video sind Soldaten aus verschiedenen Regimentern zu sehen, die inzwischen zu einer Kompanie geschrumpft wurden. Von anfangs \u00fcber 100 Soldaten seien gerade einmal noch 40 \u00fcbriggeblieben\u201c. Die \u00dcberlebenden berichten, die Versorgung der Verletzten sei katastrophal. Putin-Soldaten drohen, den Kampf einzustellen, denn neben der schlechten Versorgung h\u00e4tten sie auch bereits seit Monaten keinen Sold mehr erhalten, von dem sie bislang zum Teil ihre eigene Munition h\u00e4tten kaufen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Junge gebildete Russen verlassen das Land<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Alternative zum Putinismus gewinnt f\u00fcr junge Russen an Attraktivit\u00e4t: Zu einem \u201ezweiten Kanada\u201c k\u00f6nnte Russland werden, wenn es auf wahngetriebene Eroberungskriege verzichten w\u00fcrde. Das sagte der langj\u00e4hrige \u00f6sterreichische Verteidigungsminister und Nationalratspr\u00e4sident Werner Fasslabend, als er k\u00fcrzlich vor dem Salzburger Paneuropaforum sprach. Durch verifizierte Berichte steht zweifelsfrei fest: t\u00e4glich wandert eine gro\u00dfe Menge an jungen Russen ins Ausland ab. Viele sind gut ausgebildet. Ihre Zahl wird allm\u00e4hlich in den Millionenbereich steigen. Sie werden k\u00fcnftig der russischen Wirtschaft fehlen (brain drain \/ Talenteabwanderung). Fazit: Die Putinisten sch\u00e4digen Russland in Dimensionen, die nur mit dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert \u2013 Dschingis Khan und dessen Nachfahren \u2013 sowie mit den stalinistischen und nationalsozialistischen Verw\u00fcstungen des 20. Jahrhunderts vergleichbar sind.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Putins Angreifer zahlen einen hohen Blutzoll<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Aggressoren selbst tragen die Schuld f\u00fcr das Massensterben von Soldaten der russischen Kolonialarmee bei ihren vergeblichen Versuchen, befehlsgem\u00e4\u00df die Ukraine zu vernichten. Ein paar Zahlen machen es deutlich. Am Morgen des 8.7.2023 listete der ukrainische Generalstab die entsetzlichen Verluste der putinistischen Angreifer seit der Februar-Attacke 2022 auf. Demnach belaufen sich die Gesamtverluste der russischen Armee in der Ukraine auf 233.440 Soldaten. T\u00e4glich kommen bis zu tausend \u201eAusf\u00e4lle\u201c hinzu, weil Invasionssoldaten auf den Schlachtfeldern sterben oder so schwer verwundet werden, dass sie dauerhaft kampfunf\u00e4hig bleiben.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_3129\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3129\" class=\"wp-image-3129 size-full\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/RU-Panzer-Kyiv-EU-2022-Dati-Bendo-scaled-e1691404331439-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"799\" srcset=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/RU-Panzer-Kyiv-EU-2022-Dati-Bendo-scaled-e1691404331439-1.jpg 1200w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/RU-Panzer-Kyiv-EU-2022-Dati-Bendo-scaled-e1691404331439-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/RU-Panzer-Kyiv-EU-2022-Dati-Bendo-scaled-e1691404331439-1-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/RU-Panzer-Kyiv-EU-2022-Dati-Bendo-scaled-e1691404331439-1-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><p id=\"caption-attachment-3129\" class=\"wp-caption-text\">Mittlerweile haben die russischen Truppen mehr als 12.000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge verloren. Dazu kommen gigantische Mengen anderer Waffen. Das Bild zeigt zerst\u00f6rtes russisches Kriegsger\u00e4t, das im Zentrum von Kyiv ausgestellt ist. c Europ\u00e4ische Union 2022 Dati Bendo<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">An Panzern plus anderen gepanzerten Fahrzeugen (wie Sch\u00fctzenpanzern) hat die Putin-Armee mittlerweile mehr als 12.000 verloren, sodass britische Milit\u00e4rexperten meinen, in diesem Sektor habe sich soeben eine historische Wende vollzogen: \u201eDie Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber mehr einsatzf\u00e4hige Panzer als Russland\u201c. Dass Putin nun Museumspanzer zu reaktivieren versucht, die genauso alt sind wie er selbst (70 Jahre), \u00e4ndert wenig am Gesamtbild. Allenfalls erh\u00f6ht es den Missmut in den Reihen der putinistischen Kolonialarmee. Wachsende Demoralisierung der eigenen K\u00e4mpfer wird immer mehr zum Hauptproblem Putins. Das zweitgr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr die Putintruppe sind die immer umfangreicher werdenden Lieferungen aus 54 Unterst\u00fctzerstaaten an die Ukraine.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Kreml hat viel Kriegsmaterial verloren<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Folge: Der Kreml verlor gut 4.000 Artilleriesysteme sowie mindestens 10.000 Mehrfachraketenwerfer einschlie\u00dflich vieler Flugabwehrsysteme. Abgeschossen wurden 315 russische Milit\u00e4rflugzeuge \u2013 dabei sind die angek\u00fcndigten amerikanischen F-16-Maschinen auf ukrainischer Seite noch gar nicht im Einsatz. Des weiteren haben die Ukrainer 309 russische Hubschrauber zerst\u00f6rt, 3.670 Drohnen und ann\u00e4hernd 1.300 Marschflugk\u00f6rper sowie gut 7.000 verschiedene Fahrzeuge und Treibstofftanks. Die Abschussquote steigt \u2013 und die putinistischen Eroberer n\u00e4hern sich dem Punkt, an dem sie der Aufforderung von 141 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Folge leisten m\u00fcssen, das ukrainische Staatsgebiet wieder zu verlassen. Es gab in dieser Abstimmung nur sieben Nein-Stimmen in der UNO-Generalversammlung vom 24.2.2023.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Es wird einen zweiten Prigoschin geben<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Putin hat bislang alle Ziele verfehlt \u2013 mit seltenen Ausnahmen: der Iran liefert unverdrossen weiterhin sogenannte Kamikazedrohnen mit Schiffen \u00fcber das Kaspische Meer; soweit die persischen K\u00e4hne flusstauglich sind, k\u00f6nnen sie die Wolga aufw\u00e4rts bis Stalingrad fahren. Diese Stadt hei\u00dft heute bekanntlich Wolgograd. Man gedenkt dort allj\u00e4hrlich der Millionen Russen, die vor acht Jahrzehnten ums Leben kamen. Zyniker meinen, Putin wolle die Menschenvernichtungs-Rekordmarken von Stalin und Hitler \u00fcbertreffen. Dass ihm dies nicht gelingen wird, steht angesichts der sinkenden Kampfmoral seiner Truppen fest. Bald wird es einen zweiten Prigoschin geben, der Richtung Moskau marschiert. Wenn dieser den Despoten Putin vom wackelnden Thron st\u00f6\u00dft, k\u00f6nnte sich im Kreml vielleicht die Ratio durchsetzen.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Mit Abzug der Russen ist der Krieg vorbei<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vern\u00fcnftig w\u00e4re es, den genannten UNO-Beschluss mit der gesamten Charta der Vereinten Nationen endlich ernst zu nehmen \u2013 und die darin steckende Friedensbotschaft zu verstehen: Mit dem Abzug des letzten russischen Soldaten aus der Ukraine ist der Krieg automatisch zu Ende. Der Friedensvertrag ist auch schon da, n\u00e4mlich die UNO-Charta. Profitieren w\u00fcrden davon nicht nur die Ukrainer, sondern auch die Russen, die immer klarer erkennen, dass sie diesen moralwidrigen Vernichtungskrieg nie gewinnen k\u00f6nnen \u2013 egal, wie viele junge Menschen noch f\u00fcr Putins Wahnvorstellungen aufgeopfert werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Da Putin Vertr\u00e4ge f\u00fcr wertlose Fetzen Papier h\u00e4lt, w\u00fcrde ein Waffenstillstand ohne russischen Truppenabzug keinen Sinn ergeben. Noch missverst\u00e4ndlicher w\u00e4re eine Abtretung ukrainischer Gebiete an Russland. Verhaltensgest\u00f6rte wie Putin w\u00fcrden daraus den Schluss ziehen, dass es sich letztlich doch lohnt, in ein Nachbarland einzumarschieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Schrullig ist die These \u00f6sterreichischer Putinbewunderer, da Russland \u201eunbesiegbar\u201c sei, m\u00fcssten die Ukrainer russische Annexionen akzeptieren. Da gewiss niemand das v\u00f6lkerrechtlich definierte Territorium Russlands angreifen oder okkupieren will, ist klar, dass es ausschlie\u00dflich um die Durchsetzung der UNO-Charta und des zitierten Beschlusses der Generalversammlung der Vereinten Nationen geht, also um die Heimreise, die Abreise der mordlustigen russischen Kurzzeitbesucher aus dem v\u00f6lkerrechtlich definierten Territorium der Ukraine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Beobachter meinen, Putin sei nur auf einem Feld erfolgreich: in der Propaganda. Nun zeigt aber die miese Stimmung in der russischen Truppe, dass die Kreml-Propaganda selbst im eigenen Land immer seltener einen Hund hinter dem Ofen hervorlockt. Einem Bericht der TIME zufolge sympathisierten die Bosse von 17 Verwaltungsregionen mit dem Rebellen Prigoschin, w\u00e4hrend 21 Oblast-Chefs auf der Seite Putins standen. Dies l\u00e4sst tiefe Risse im Herrschaftssystem erkennen, denn hier geht es um die F\u00fchrungsebene im gr\u00f6\u00dften Fl\u00e4chenstaat der Erde. TIME beruft sich auf Papiere des russischen Innenministeriums, die mutma\u00dflich von Mitarbeitern des Inlandsgeheimdienstes FSB durchgestochen wurden.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Attacke gegen Georgien als Ablenkung?<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Nachrichtenmagazin FOCUS wies am 9.7.2023 auf die M\u00f6glichkeit hin, dass Putin zwecks Ablenkung von seinem Desaster in der Ukraine nunmehr Georgien attackieren k\u00f6nnte. Georgien geh\u00f6rt keinem B\u00fcndnis an und ist dadurch schutzlos. Neutralit\u00e4t ist kein Schl\u00fcssel zur Sicherheit, sondern \u2013 im Gegenteil \u2013 eine Einladung an Aggressoren, den Frieden zu brechen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sicher w\u00e4re in einem solchen Fall damit zu rechnen, dass Putin den Befehl geben w\u00fcrde, durch Zwangsrekrutierungen von jungen Ukrainern aus den von ihm besetzten Gebieten die Mannschaftsst\u00e4rke seiner Kolonialarmee zu erh\u00f6hen. Das w\u00fcrde zahlreichen weiteren Ukrainern das Leben kosten. Eingemauert in seine Phantasiebilder k\u00f6nnte der Despot danach nicht einmal begreifen, warum es mit der Kampfkraft seiner Truppen weiter in den Keller geht und Soldaten zur Gegenseite \u00fcberlaufen. Die ambitionierten Tr\u00e4ume von der Stalin-\u00e4hnlichen Weltmachtstellung eines durch Eroberungen immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Putin-Imperiums sind Gott sei Dank geplatzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Putin tobt. Laut Lukaschenko will er Prigoschin wegen Meuterei t\u00f6ten lassen. Dieses vom F\u00fchrer beschlossene Lebensende des Rebellen (Putin: \u201eVerrat ist unverzeihlich\u201c) wird aus guten Gr\u00fcnden hinausgeschoben. Tod auf Raten. Die Bestrafung erfolgt in Etappen. Zun\u00e4chst entzog der Kreml dem Wagner-Chef schnellstm\u00f6glich gro\u00dfe Teile seiner finanziellen Mittel, schloss die als \u201eTrollfabrik\u201c bekannte Firma Internet Research Agency und blockierte Prigoschin-nahe Online-Medien wie Ria Fan, Politics Today oder Neva News \u2013 wie die britische Zeitung Guardian berichtet.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Bargeldb\u00fcndel und Goldbarren<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zudem versucht Moskau den Ruf des Rebellen zu sch\u00e4digen, um seine Anh\u00e4ngerschaft zu verkleinern. So kursieren Fotos vom luxuri\u00f6sen Wohnsitz des Wagner-Chefs, die laut russischen Medienberichten am Tag des Umsturzversuchs geknipst wurden. Dabei seien Bargeldb\u00fcndel in Millionenh\u00f6he sowie Kisten voller Goldbarren gefunden worden. Laut dpa soll so das Image des \u201eeinfachen Mannes aus dem Volk\u201c angekratzt werden; und es ist zugleich eine Warnung an andere, sich Putin nicht zu widersetzen.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Prigoschins Mutter und das Geld in der Schweiz<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Prigoschin genoss viele Jahre das Vertrauen Putins und wurde in seinem Mafiasystem sehr reich. Laut Medienplattform Bellingcat vermehrte Prigoschin von 2011 bis 2019 sein Verm\u00f6gen um drei Milliarden Dollar. Das stieg ihm zu Kopf. Alles, was heute f\u00fcr Putins Schergen in Russland greifbar ist, wird ihm jetzt weggenommen. Als Chef der weltweit aktiven Wagners\u00f6ldner ist er jedoch international aufgestellt und verf\u00fcgt \u00fcber erhebliche Verm\u00f6genswerte au\u00dferhalb Russlands; seine Mutter hat viel Geld in der Schweiz gebunkert, und die eidgen\u00f6ssische Justiz hat ihr best\u00e4tigt, dass sie nicht f\u00fcr ihren Sohn haftet. Ihr Reichtum bleibt unangetastet. EU-Sanktionen greifen nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Prigoschin (Sohn) besch\u00fctzt mit seiner extrem brutalen S\u00f6ldnertruppe afrikanische Putschregierungen, beispielsweise in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik. Daf\u00fcr erh\u00e4lt er Bergbaukonzessionen, die Jahr f\u00fcr Jahr Gewinne abwerfen. Das kann ihm Putin wahrscheinlich nicht wegnehmen. Falls Prigoschin mit heilen Knochen aus Europa herauskommt, k\u00f6nnte er unbehelligt mit dem harten Kern seiner Wagners\u00f6ldner in der Zentralafrikanischen Republik leben. Zugegeben: es ist dort ziemlich hei\u00df, aber schlie\u00dflich gibt es Klimaanlagen und f\u00fcr die Stromrechnung kann ihm Mama aus der Schweiz Geld schicken.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_3130\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3130\" class=\"wp-image-3130 size-full\" src=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Foto-Fasslabend-scaled-e1691404523844-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"593\" srcset=\"https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Foto-Fasslabend-scaled-e1691404523844-1.jpg 1200w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Foto-Fasslabend-scaled-e1691404523844-1-300x148.jpg 300w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Foto-Fasslabend-scaled-e1691404523844-1-1024x506.jpg 1024w, https:\/\/pan.thatscommunication.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Foto-Fasslabend-scaled-e1691404523844-1-768x380.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><p id=\"caption-attachment-3130\" class=\"wp-caption-text\">Die Alternative zum Putinismus gewinnt f\u00fcr junge Russen an Attraktivit\u00e4t: Zu einem \u201ezweiten Kanada\u201c k\u00f6nnte Russland werden, wenn es auf wahngetriebene Eroberungskriege verzichten w\u00fcrde. Das sagte der langj\u00e4hrige \u00f6sterreichische Verteidigungsminister und Nationalratspr\u00e4sident Werner Fasslabend, als er k\u00fcrzlich vor dem Salzburger Paneuropaforum in der Stiegl-Brauwelt sprach. Durch verifizierte Berichte steht zweifelsfrei fest: t\u00e4glich wandert eine gro\u00dfe Menge an jungen Russen ins Ausland ab. Viele sind gut ausgebildet. Ihre Zahl wird allm\u00e4hlich in den Millionenbereich steigen. c Stefan Hab\u00f6ck<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">F\u00fchrerbefehle haben in Russland Gesetzeskraft. Prigoschin ist zum Tod verurteilt. Es bleibt ihm aber noch eine Galgenfrist, denn Putin braucht die Wagners\u00f6ldner f\u00fcr seinen Krieg. Sie haben sich als seine beste Mordmaschine bew\u00e4hrt. Am 10.7. kam \u2013 zun\u00e4chst \u00fcber franz\u00f6sische Medien, danach von Putins Sprecher best\u00e4tigt \u2013 die Nachricht, dass es nach der Prigoschin-Revolte ein Treffen im Kreml gab, an dem rund 35 Wagner-\u201eOffiziere\u201c teilnahmen; sie schworen Putin ewige Treue.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Wagner-S\u00f6ldner schw\u00f6ren Putin Treue<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Damit ist der Zweck der Veranstaltung glasklar: Putin will m\u00f6glichst viele der in der Ukraine mordenden S\u00f6ldner f\u00fcr sich gewinnen, denn als todesmutige K\u00e4mpfer sind sie schwer zu ersetzen. Sie sind f\u00fcr Putin besser zu gebrauchen als wehrpflichtige Russen, die gegen ihren Willen in die regul\u00e4re Armee hineingepresst wurden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Drama nimmt seinen Lauf: Prigoschin wird im zweiten Akt zun\u00e4chst h\u00f6flich gebeten, seine afrikanischen Bergbauvertr\u00e4ge auf Putin zu \u00fcbertragen. Wenn er sich weigert, droht ihm der \u00fcbliche Fenstersturz (\u201eein Unfall\u201c), es sei denn, er schafft es schnell genug, mit einem Privatjet oder \u2013 mit Per\u00fccke getarnt \u2013 in einem Fischerboot nach Afrika zu gelangen. Putin, der Gekr\u00e4nkte, h\u00e4lt sich an den Satz von Goebbels: \u201eRache ist ein Gericht, das kalt genossen wird\u201c.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Wagner-truppen sind in Afrika im Einsatz<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Laut The Kyiv Independent gab es nach dem Putschversuch sogar ein direktes Gespr\u00e4ch zwischen Jewgeni Prigoschin und Vladimir Putin \u2013 eine Art Kriegsverbrecherkonferenz. Von der franz\u00f6sischen Lib\u00e9ration wurden weitere Informationen geliefert. Prigoschin soll auch mit dem Chef der Nationalgarde, Viktor Zolotow, sowie dem Leiter des Auslandsgeheimdienstes, Sergey Naruschkin, kurz nach dem Umsturzversuch gesprochen haben. Im Kontext kann dies nur bedeuten, dass der Kreml Prigoschins Unterschrift braucht, um an seine Verm\u00f6genswerte im Ausland heranzukommen und m\u00f6glichst auch Wagners\u00f6ldner in Afrika dem Moskauer Kommando zu unterstellen. Da Prigoschin das unredlich erworbene und im Ausland versteckte Geld selbst f\u00fcr sein eigenes \u00dcberleben braucht, wird er es kaum an seinen Mafiakollegen Putin verschenken.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Putin und seine Brieftasche<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Weit mehr Verm\u00f6genswerte als Prigoschin hortet die Putin-Familie im Ausland. Das sind keine Kavaliersdelikte, denn es gibt kausale Zusammenh\u00e4nge zwischen dem unendlichen Reichtum der Mafiaf\u00fchrer und der Armut des einfachen Volkes in Russland. Vladimir Putin besitzt offenbar sogar Immobilien in \u00d6sterreich. Seine T\u00f6chter sowie engste Freunde der Familie k\u00fcmmern sich darum. Vladimir Putin z\u00e4hlt zu den reichsten Menschen der Welt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Als durch die \u201ePanama Papers\u201c aufgedeckt wurde, dass allein in dieser lateinamerikanischen Steueroase zwei Milliarden Dollar Putin zuzuordnen sind, r\u00fcckte ein armer Cellist aus St. Petersburg, dem dies alles angeblich geh\u00f6rt, ins Rampenlicht. Er hat den Spitznamen \u201ePutins Brieftasche\u201c. Sein Name ist Sergei Roldugin \u2013 ein Jugendfreund des heutigen Tyrannen im Kreml.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dieser nahezu mittellose Musiker verwaltet Teile von Putins privaten Milliarden. Neben Panama spielt wiederum die Schweiz ihre \u00fcbliche Rolle. Die Z\u00fcricher Staatsanwaltschaft wollte wissen, ob vier Schweizer Bankangestellte legal t\u00e4tig waren, als sie f\u00fcr den Cellisten, der offenkundig nur Treuh\u00e4nder Putins ist, Konten er\u00f6ffneten und verwalteten. (N\u00e4heres findet sich im Artikel \u201eVier Banker vor Gericht: Gelangten Putins Millionen \u00fcber einen Strohmann in die Schweiz?\u201c (Die Presse, 8.3.2023.)<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Putin hat Russland schwer geschadet<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Ein Mann, der sich mit solchen russisch-schweizerischen Finanzs\u00fcmpfen auskennt, ist der \u00d6konom Alfred R. Koch, der unter Boris Jelzin als Vize-Ministerpr\u00e4sident in der Moskauer Regierung sa\u00df. Die Vorfahren seines Vaters stammen aus Deutschland (wo er jetzt lebt), seine Mutter ist Russin. Koch stellt dem Putinismus ein vernichtendes Zeugnis aus: \u201eIn letzter Zeit ist nichts Neues passiert. Au\u00dfer, dass die russischen Invasoren in ein fremdes Land gekommen sind und sich nun an etwas klammern, das ihnen nicht geh\u00f6rt. Und sie wollen noch mehr an sich rei\u00dfen\u201c.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Ein Sieg f\u00fcr Russland ist ausgeschlossen<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dabei sei mit absoluter Sicherheit ein Sieg der russischen Armee ausgeschlossen. Koch: \u201eEs gibt kein Verbrechen, das sie nicht schon begangen haben. Sie haben viel Geld ausgegeben und Hunderttausende ihrer eigenen Leute und andere get\u00f6tet. Sie haben die Zukunft ihres Landes und den Ruf ihres Volkes zerst\u00f6rt. Und was haben sie im Gegenzug erreicht? Nichts. Nichts als den Hass und die Verachtung der Menschheit\u201c.<\/span><\/p>\n<h5><span style=\"color: #000000;\">Mit dem Salonwagen ins Exil nach China?<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Falls Putin mit einem allerletzten Hauch an Anstand sein Amt aufg\u00e4be, k\u00f6nnte er sich mit Salonwagen der Transsibirischen Eisenbahn ins Exil fahren lassen. Um dem Gericht in Den Haag zu entkommen, bliebe ihm nur noch \u2013 bei seinen Geistesverwandten Unterschlupf suchend \u2013 die Wahl zwischen Xi-Jinping-China oder Kim-Jong-un-Nordkorea.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Beitragsbild: In ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Vernichtungsangriff wird die Ukraine von 54 Staaten unterst\u00fctzt. Das gr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr Putins Truppen ist die extrem schlechte Versorgungslage seiner Soldateska, was absolut demoralisierend auf sie wirkt. c NATO<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu einem \u201ezweiten Kanada\u201c k\u00f6nnte Russland werden, sobald es den Putinismus mit seinen wahnhaften imperialistischen Zielen absch\u00fcttelt. 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