Die erfolgreichste Idee des Jahrhunderts
Damals schrieb ich, die letzten Kämpfe Coudenhove-Kalergis würdigend: „Früher hatte man ihn angegriffen, weil er die Ostpolitik General de Gaulles unterstützte. Nun warf man ihm vor, ein `kalter Krieger` geworden zu sein, weil er sich mit aller Kraft gegen eine Verhandlung aussprach, in der eine einzige Supermacht, Rußland, einer Unzahl uneiniger kleiner Staaten gegenüberstehen würde. Diese Kritik, einmal von rechts, einmal von links, konnte Coudenhove nicht von seinem Wege abbringen. Wie wenige andere Menschen, war er von der Umwelt innerlich unabhängig. Der tiefere Grund dafür dürfte darin gelegen sein, daß er vom Leben nichts erwartete, daß er einen hohen Sinn für Pflichterfüllung besaß und immer bereit war, die Pflicht um ihrer selbst willen zu erfüllen. Aus dem gleichen Gefühl stammte auch sein mangelndes Verhältnis zur Macht. Coudenhove war kein Politiker im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Er war nicht darauf aus, Applaus zu ernten oder einen Posten zu erlangen. Gewiß freuten ihn Zustimmung und Ehrungen. Aber das war nicht das letzte Motiv seiner Handlungen. Bei ihm galt vor allem der Dienst an der Idee. Dieser Idee ist er unter schwersten Umständen treu geblieben.“
Die von Richard Coudenhove-Kalerg entwickelte und zu ersten Erfolgen geführte Idee der politischen Einigung Europas war die erfolgreichste Idee des vergangenen Jahrhunderts: Sie hat eine Zone des Friedens, der Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit, des relativen Wohlstands und der Sicherheit geschaffen. Der Gründer der Paneuropa-Bewegung hat mich in seiner prophetischen Erscheinung in mancher Hinsicht an Moses erinnert: Dem Ziel unbeirrbar ergeben, führte er sein Volk bis an die Grenzen des verheißenen Landes. Ihm selbst war nur ein Blick ins gelobte Land gegeben. Die letzte Wegstrecke mußten andere gehen. So konnte auch Richard Coudenhove-Kalergi, der am 27. Juli 1972 starb, nur ahnen, daß sein Lebenswerk reiche Frucht tragen werde.RCK Liegestuhl
Das gewaltige literarische Werk Richard Coudenhove-Kalergis umfaßt interessante philosophische Abhandlungen und zahllose politische Schriften. Letztere kreisen um seine Gedanken zur Einigung Europas. Seine Selbstlosigkeit, seine Grundsatztreue und sein stets von jugendlicher Leidenschaft geprägter Einsatz für das große Ziel sollen der Paneuropa-Bewegung auch künftig ein Vorbild sein.